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Der inklusive Ansatz hat auf die Durchführung des Projekts nur minimale Auswirkungen. „Wir machen hier keine anderen JobErkundungsTage“, stellt Heiner Gaß von der Fördergesellschaft Handwerk als Projektleiter JET am Standort Freiburg klar. „Das Konzept ist dasselbe, die Aufgaben sind dieselben.“ Und wie sonst auch sind in jeder Gruppe Schüler aus verschiedenen Schulen. Die Durchgänge und Wege in den Werkstätten sind allerdings etwas breiter als sonst. „Hier kann es schon mal enger zugehen, da muss manchmal erst Platz für einen Rollstuhl geschaffen werden“, erläutert Jutta Bauchinger-Rominger, Inklusionsberaterin der Handwerkskammer Freiburg. „Wir haben die Kolleginnen und Kollegen der Gewerbe Akademie im Vorfeld informiert, dass eventuell kurzfristig Anpassungen vorgenommen werden müssen.“ Wichtig sei, dass die Rückmeldung dabei von den Schülern selbst komme, so Heiko Renner, Abteilungsleiter für berufliche Bildung der Esther-Weber-Schule.
Das Ziel der zweiwöchigen Berufsorientierung ist klar: „Wir wollen gemeinsam mit den Jugendlichen herausfinden, welche Berufe ihnen liegen – aber auch, an welchen Ecken es schwierig wird“, sagt Bauchinger-Rominger. „Und wenn ein Beruf nicht machbar ist, können wir oft Berufe aufzeigen, die ähnlich sind.“ Renner ergänzt: „Pauschale Aussagen wie ‚Der Beruf geht nicht‘ sind falsch. Es lohnt sich immer nach Möglichkeiten zu suchen.“ Aber auch die Selbsterkenntnis, dass eben etwas auch nicht geht, sei wichtig und gut für die Persönlichkeitsentwicklung.
Einstellung zählt

„Wir möchten aber auch den Blick der Betriebe darauf lenken, dass körperlich beeinträchtigte Mitarbeiter nicht nur im Büro Platz finden können“, erklärt Bauchinger-Rominger mit Blick auf mögliche Ausbildungsbetriebe. Die Wahrnehmung von Behinderung zu verändern ist auch ein langfristiges Ziel, das die Handwerkskammer Freiburg beim Thema Inklusion verfolgt. „Am besten beschreibt es der Slogan ‚Einstellung zählt‘“, erläutert Kammergeschäftsführer Wolfram Seitz-Schüle die Strategie. „Es geht zum Einen um die persönliche Einstellung, zum Anderen aber vor allem auch um die tatsächliche Einstellung von Menschen durch die Betriebe.“ Die Strategie basiere daher auf drei Säulen: Der Sensibilisierung der Betriebe für das Thema, der anschließenden Beratung der Betriebe hinsichtlich konkreter Umsetzungsmöglichkeiten und der Kooperation mit zentralen Akteuren in der Region.

Um diesen Kooperationsgedanken zu unterstreichen, ist auch Christian Ramm, Chef der Agentur für Arbeit Freiburg, mit Kammerpräsident Johannes Ullrich zu einem Besuch in die Werkstätten gekommen. „Wir arbeiten bei dem Thema Hand in Hand“, erklärt Ramm. „Wir können Eingliederungszuschüsse für Betriebe bereitstellen, nachdem die Kammer die Betriebe entsprechend beraten und vorbereitet hat.“ Die Förderung der Inklusion ist auch Aufgabe der Fachkräfteallianz Südlicher Oberrhein, an der beide Institutionen beteiligt sind. Ullrich macht deutlich: „Inklusion ist fester Bestandteil unserer Kammerarbeit.“ Nach einer zweijährigen Projektphase wurde daher im vergangenen Jahr die Stelle der Inklusionsberaterin geschaffen. Achim Leonhardt, Referatsleiter Berufliche Bildung der Kammer, skizziert die Anforderungen an die Stelle: „Bei der Berufsorientierung geht es erst los. Wir beraten die Betriebe auch bei der Bereitstellung von Praktikumsplätzen – und hierbei haben wir nicht nur die Ausbilder im Blick, sondern auch die Lehrlinge, die wir im Umgang mit körperlich oder geistig Behinderten schulen möchten.“ Mit Blick auf die Meister von morgen sei man zudem dabei, im Rahmen der Meisterprüfung Teil IV das Thema Inklusion als festen Bestandteil zu entwickeln.
Mit der inklusiven Berufsorientierung von JET ist jetzt ein Anfang gemacht. Ein vielversprechender dazu, darin sind sich alle Beteiligten nach einer Zwischenbilanz einig. „Wir wollen das fest etablieren“, so Renner abschließend.

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